Eine gemeinsame Bewegung?

Melanie Bujok sprach 2002 von „Bewegungen für Tiere“ und unterschied Tierschutz, New Welfarism, Tierrechte und Tierbefreiung voneinander sowie Abolitionismus und Reformismus. Auch Mieke Roscher geht von unterschiedlichen Bewegungen aus. Tatsächlich und offensichtlich haben wir es mit unterschiedlichen Bewegungen zu tun, mit jeweils eigenen Ansichten über die richtigen Ziele und Strategien.

Zugleich gibt es das breite Bedürfnis nach einer großen gemeinsamen und toleranten „Bewegung für die Tiere“ ohne Streitigkeiten. Diese gemeinsame Bewegung wird weitläufig „Tierrechtsbewegung“ (im weiten und uneigentlichen Sinne, daher in Anführungsstrichen) genannt, ungeachtet dessen, dass es eine eigentliche Tierrechtsbewegung (im engen Sinne) gibt.

Beidem ist Rechnung zu tragen, sowohl dem Wunsch nach der Unterscheidung und Stärkung / Erhalt der Einzelbewegungen, als auch dem Wunsch nach dem Beibehalten einer gemeinsamen großen Bewegung. Dieses Webseiten-Projekt macht es möglich.

 

Streitigkeiten in der Bewegung

Die „Tierrechtsbewegung“ in Deutschland ist unzufrieden, gespalten, zerstritten, selbstwidersprüchlich und unterbestimmt und damit bei weitem nicht so effektiv, wie sie sein könnte.

Die einen beschweren sich darüber, dass nicht alle gemeinsam an einem Strang ziehen, sondern miteinander streiten, sich kritisieren und sogar die Veranstaltungen anderer „Tierrechtler“ stören.

Die anderen beschweren sich darüber, dass Begriffe wie „Tierrechte“ (sogar systematisch) inflationär benutzt werden, ohne dass diesen gerecht wird. Und dass das Profil der Tierrechtsbewegung immer weiter verwässere. Tierschutz-Aktivismus wird wie selbstverständlich der „Tierrechtsbewegung“ zugezählt, da auch der Tierschutz sich für die Lebensverbesserung von Tieren einsetze.

Die bestehenden Konflikte werden bisher nicht aufgelöst, sondern als „Spaltereien“ und „idiotisch“ abgetan.

 

Ziele dieser Webseite

Dieses Webseiten-Projekt möchte:

  • die unterschiedlichen Bewegungen und Strömungen erfassen und darstellen
  • die „moderne Tierbewegung“ mit ihren Funktionen etablieren
  • dabei helfen, dass Konflikte gelöst und Streitigkeiten beendet werden
  • der Bewegung eine Plattform für Diskurse bieten


Vorteile der Etablierung einer modernen Tierbewegung sowie von Bewegungsprofilen

Das Etablieren einer „modernen Tierbewegung“, das Benennen unterschiedlicher Bewegungen und die Anerkennung sich voneinander abgrenzender Profile bringt Vorteile mit sich.

  • Es merzt den Boden für die Streitigkeiten aus.
    • Selbstwidersprüchlichkeiten werden aufgelöst. In den Einzelbewegungen finden sich Menschen und Gruppen, die tatsächlich ähnliche Ansichten haben.
  • Es fördert die Toleranz zwischen den Bewegungen.
    • Die Tierbewegung ist notwendig tolerant. Sie stellt lediglich einen Rahmen für gegeneinander konkurrierende Auseinandersetzungen dar, eine Vorherrschaft kann jedoch nicht erlangt werden. Niemand kann dazu gezwungen werden, die Bewegung zu wechseln. Vielmehr sollte sich Dankbarkeit einstellen, dass Menschen mit anderen Ansichten in einer anderen Bewegung als man selbst aktiv sind.
  • Es strukturiert die Bewegungen und macht sie effektiver.
    • Die eigenen Ansichten über Ziele und Strategien sind dank eines Bewegungsprofils nachvollziehbar, transparent, leicht abrufbar. Dies hilft der Verbreitung der eigenen Ideen, aber auch der effektiven Selbstausrichtung auf die tatsächlichen Ziele und Strategien der Bewegung.
  • Es schützt die Einzelbewegungen mit ihren konkreten, sich abgrenzenden Profilen vor der inflationären Verwässerung. 
    • Eine Bewegung kann auf ihr Profil verweisen und muss weniger Energie in aufwendige Grundsatzdiskussionen investieren sowie in den Schutz vor Unterwanderung und Aushöhlung. Ressourcen werden frei für das Verfolgen der Bewegungsziele.
  • Es nimmt den Streitigkeiten innerhalb der jeweiligen Einzelbewegungen den Nährboden weg.
    • Wenn die Grundsätze einer Bewegung geklärt sind, muss weniger gestritten werden. Die Streitigkeiten verlagern sich: Es wird dann nicht mehr innerhalb einer Bewegung gestritten, sondern nunmehr zwischen den Bewegungen. Dann jedoch entschärft und sachlicher, es geht ja nicht mehr um die Ausrichtung der eigenen Bewegung. Der versachlichte Streit wird häufig entemotionalisiert sein und konkurrierende Auseinandersetzungen darstellen.


Warum die moderne Tierbewegung etablieren helfen?

Die Unterscheidung der Einzelbewegungen und das Etablieren der modernen Tierbewegung sollte fördern:

  • wer sich starke und effektive Bewegungen für die Tiere wünscht
  • wer Konflikte und Streitigkeiten wirklich (!) beendet sehen möchte
  • wer die eigene Eitelkeit überwinden kann, von der Einstellung oder den Handlungen her möglicherweise nicht einer Bewegung anzugehören, der man nominell gerne angehören möchte

Dieses Projekt stellt nicht nur eine Fleißarbeit dar. Vielmehr sollte die Notwendigkeit erkannt werden, die sich angesichts des bestehenden Zustands der Bewegung ergibt (zerstrittene und wenig effektive Bewegungen(en), wenig bekannte Bewegungsprofile).