Strömungen und Fraktionen

In der modernen Tierbewegung lassen sich mehrere Einstellungen ausmachen, die bewegungsübergreifend von Menschen geteilt werden, jedoch keine eigenen Ziele verfolgen und somit keine eigene Bewegung darstellen.

Eine bedeutende Sonderposition nehmen der Abolitionismus und der Reformismus ein.


„Hauptsache für die Tiere“-Fraktion

Der Ausdruck „Hauptsache für die Tiere“ steht für eine bestimmte Einstellung, nämlich sich ungeachtet anderer ethischer Aspekte hauptsächlich „für die Tiere“ einzusetzen. Diese Einstellung wird teilweise unreflektiert vertreten, teilweise bewusst und offensiv.

Die Zusammenarbeit mit Nazis, mit menschenverachtenden Sekten oder totalitär / autoritär geführten Gruppen, aber auch Manipulationsstrategien am Infotisch oder Mahnmale vor NS-Konzentrationslagern, werden damit verteidigt, dass dies „für die Tiere“ nützlich sei. Auf Menschen wird – angesichts der wichtigen Mission „für die Tiere“ wenig Rücksicht genommen. Menschen werden weitgehend nicht als der Tierwelt zugehörig angesehen, sondern als ihr entgegengestellt.

Innerhalb der Bewegung solle es keine oder kaum Ausgrenzung von Menschen und Gruppen geben, solange die sich „für die Tiere“ einsetzen. 

Weil diese Einstellung keine Seltenheit ist, sondern eine (noch) häufig anzutreffende, für die sich innerhalb der Bewegung aktiv einsetzt wird, etablierte sich die Bezeichnung „Hauptsache für die Tiere“-Fraktion.


Animal Liberation Front (ALF)

Die ALF ist keine Gruppe oder Organisation. Menschen finden sich für eine ALF-Aktion – eine direkte Aktion – zusammen und gehen dann wieder auseinander.

Bei direkten Aktionen geht es primär nicht darum, die Gesellschaft oder den Gesetzgeber zu erreichen und sich für einen Wandel in Bewusstsein oder Gesetzgebung einzusetzen, sondern es wird auf direktem Wege ein (vermeintliches) Unrecht angegangen.

Die gemeinsame Einstellung von ALF-Aktivistinnen ist, dass illegale direkte Aktionen (die Sabotage von Ausbeutungsmitteln oder die Befreiung von nicht-menschlichen Tieren aus einer Haltung) moralisch legitim sind.

Was als ALF-Aktion bezeichnet werden darf, das heißt: was unter „ALF“ zu verstehen ist, ist sinnvollerweise festgeschrieben. Ein zentraler Grundsatz der ALF ist, dass bei direkten Aktionen Menschen und nicht-menschliche Tiere nicht verletzt werden dürfen.